 Tagesschau.de meldet: "Musikindustrie bekämpft illegale Downloads"
Die deutsche Musikindustrie verdankt einen schnell wachsenden Anteil ihrer Gewinne den Geschäften im Internet. Die Umsätze mit Downloads stiegen laut dem Bundesverband Musikindustrie 2008 um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings verzeichnete die Branche auch 316 Millionen illegale Musikdownloads. Damit kommen auf jeden regulär erworbenen Titel rund acht Raubkopien.
Der Branchenverband will daher stärker gegen illegale Kopien vorgehen. "Wir überlegen, ob wir die Verfolgung noch weiter nach oben fahren", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands, Stefan Michalk. Rund 1000 Abmahnungen strebe der Verband monatlich an. Weil Staatsanwaltschaften für die unerlaubte Verbreitung von Liedern Bagatellgrenzen festlegten und erst ab 3000 Stücken einschritten, war die Zahl der Strafverfahren den Angaben zufolge in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Deshalb will die Industrie auf anderen Wegen ihre Urheberrechte schützen.
Über einen zivilrechtlichen Auskunftsanspruch könnten die Unternehmen bei den Internetprovidern die Identität von Raubkopierern ermitteln und dann gezielt mit Abmahnungen gegen sie vorgehen. "Wir würden gerne auf weitere Massenverfahren wegen illegaler Verbreitung und Nutzung von Musik verzichten", betonte Verbands-Chef Dieter Gorny. Doch die Politik verweigere aus Datenschutzgründen neue Wege bei der Bekämpfung der Internetpiraterie.
Einnahmen sinken um 4,7 Prozent
Trotz der Zuwachsraten durch Downloads schrumpften die Einnahmen der deutschen Musikindustrie 2008 um 4,7 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro. Der Verkauf von CD-Alben sank zwar um 3,4 Millionen auf 145,1 Millionen, machte aber 81 Prozent des Umsatzes aus. Die sogenannten physischen Tonträger bilden laut den Verbandsangaben weiter "das Rückgrat der deutschen Musikindustrie". Auf Musikvideos entfielen acht Prozent des Umsatzes. Weitere sieben Prozent trugen digitale Angebote bei.
Eine Umfrage unter den großen Plattenfirmen ergab, dass diese den Anteil neuer Erlösquellen am Umsatz in den kommenden fünf Jahren auf 15 bis 20 Prozent verdoppeln wollen. Das größte Potenzial sehen die Unternehmen bei Einnahmen aus Lizenvergaben an Internetplattformen wie YouTube oder MySpace. Zudem sollen Kooperationen mit Hard- und Softwareherstellern ausgebaut werden. |